Apr 15 2006
TIME WARP: Colours of Rhythm oder der Beinahe-Tod eines Techno-Reisenden
Denise Lachnitt (Klasse Re-10c)
Colours of rhythm
Am Samstag, 8. April, fand in Mannheim ein Großereignis der besonderen Art statt. 15.000 Besucher versammelten sich zur Techno-Party. Techno gilt allgemein als softiges Gegenstück zu Hip Hop und Rap. Kein Macho-Gehabe, keine Gewaltverherrlichung, keine Frauenfeindlichkeit. Dennoch war „Colours of Rhythm,” wie die Party sich nannte, keine Wellness- Oase. Für manche, die meinten, den „Rhythmus-Farben“ ein wenig nachhelfen zu müssen, war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Ende aller Farben – dem Tod.
Colours of Summer
(Paper-Graffiti: Denise Lachnitt)
Nach stundenlangem Tanzen bekam ich plötzlich sehr starke Rückenschmerzen, da es leider Gottes kaum Sitzplätze gab für fast 15.000 Besucher. Bin dann zum Roten Kreuz, die bei jedem Techno-Event dabei sind (du wirst gleich erfahren, warum diese Menschen bei solchen Veranstaltungen sehr wichtig sind). Jedenfalls bin ich mit meinem Freund da hin, um mich kurz ausruhen zu können.
Ich durfte das Zelt aber nur allein betreten, was mich schon wunderte. Es wurde mir dann auch klar warum: Acht Ärzte und Helfer standen um eine Krankentrage und bemühten sich, einen Mann mit einem Krampfanfall festzuhalten.
Ich musste mich auf eine Liege setzen und auf den Arzt warten. Den Mann mit dem Krampfanfall konnte ich genau sehen und das schreckliche Geschehen miterleben. Nach kurzer Zeit kam eine Frau und kümmerte sich um mich, ich informierte mich vorsichtig, was denn mit dem Kerl los sei. Sie erklärte mir, sie würden um sein Leben kämpfen. Er nahm Drogen und zwar zuviel und nun krampfte sein ganzer Körper.
Nach kurzer Zeit kam ein zweiter Notfall. Diesmal eine Frau. Wieder mit Sauerstoffmaske, wieder mit überdosierten Drogen. Es war echt hart für mich, all den Lärm von Musik, Ärzten, Helfern und Freunden der Halbtoten miterleben zu müssen.
Natürlich hat mir das jede Stimmung ruiniert und ich konnte die restliche Zeit die Besucher nicht mehr verstehen, wie sie so dastanden und sich Koka-Zigaretten bastelten oder andere Sachen schluckten – als ob nichts geschehen wäre.
Positiv: Habe weder in den Nachrichten noch im Internet etwas über Todesfälle gehört oder gefunden. Ganz im Ernst, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen!
(Redaktion/Teaser/Bildbearbeitung: Andreas Bubrowski)
Popularity: 1%
Diesen Beitrag drucken
| Zuletzt aktualisiert: 29.05.2007, 18:29 Uhr
Artikel mit ähnlichem Bezug:
>Technoparty als Massenereignis – „kleine Duisburgs“ gehören zum Kick dazu>>Es im Theater richtig machen: Klatschen, nicht klatschen, buh-rufen?>>It’s Oktogon-Time!>>Four long days…>>Zeugnisse: Keine Angst haben>
Keine Kommentare
Einen Kommentar schreiben
Du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.

