Okt 07 2007
Gebärmutterhalskrebs: Teure Impfung von Mädchen gerät in die Kritik
Von Andreas Bubrowski
Eine Impfung mit Gardasil kostet 465 Euro. Alle Mädchen sollen den Impfstoff verabreicht bekommen, und zwar noch vor dem ersten Sex, also statistisch gesehen im Alter zwischen 12 und 17. Denn eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – um diese Krankheit geht es – ist nur vor einer Ansteckung mit Warzenviren möglich.
Impfen - Für Patienten nicht immer ein gutes Geschäft (Bild: Verfasser)
Warzenviren können den Gebärmutterhals angreifen und damit Krebs auslösen. Übertragen werden die Übeltäter beim Sex. Gardasil ist einer der teuersten Impfstoffe aller Zeiten. Aber wer wird so kleinlich sein und aufs Geld gucken. Wird man - bzw. junge Frau - dadurch doch von einer lebensbedrohlichen Krankheit geschützt. Dennoch. Nachdem sich die erste Euphorie über die „Impfung gegen Krebs“ gelegt hat, kommt harsche Kritik an der ungewöhnlich übereilten Aufnahme der Impfung in den offiziellen Impfkalender auf.
Impfen ist ein lohnendes Geschäft. Würden die Impfungen wie geplant erfolgen, ergäben sich pro Jahrgang Kosten von fast einer halbe Milliarde Euro! Das wäre etwa ein Prozent der gesamten gegenwärtigen Arzneimittelausgaben. Damit es aus Profitgier nicht zum Missbrauch kommt, muss jeder Impfstoff ein komplexes Zulassungs- und Prüfungssystem durchlaufen. Doch genau hier setzt die öffentliche Kritik an der Einführung von Gardasil an. Demnach wurde der Stoff
- übereilt eingeführt,
- die Wirksamkeit zu positiv bewertet und
- Nebenwirkungen erhielten nicht die erforderliche Beachtung
Übereilte Einführung
Am 6. Oktober schrieb die Süddeutsche Zeitung in dem Artikel „Voreilige Vorsorge:“
In Windeseile warben manche Krankenkassen damit … den teuren Impfstoff freiwillig [zu] bezahlen. So schnell wie selten zuvor hob die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut die Impfung gegen Warzenviren … in den Impfkalender und zwang damit auch alle übrigen Kassen, die Kosten … pro Impfling zu übernehmen.
Warum nur diese Eile und schnelle Fixierung? Das sollten sich Eltern und vor allem die potentiellen jungen „Kundinnen“ fragen, bevor sie sich unter die Impfspritze legen! Folgende Kritikpunkte werden dazu unter anderem angeführt.
- Die Zulassung des Impfstoffes erfolgte auf schmaler Wissensbasis
- Zulassung basierte lediglich auf vorläufigen Daten
- Fachleute sehen eine indirekte Gefahr für Mädchen und Frauen
- Die tatsächliche Gefahr, die von dieser Krebsart ausgeht wurde, aufgebläht.
Tatsächlich entsteht der Eindruck, Gebärmutterhalskrebs sei eine Volksseuche, die die weibliche Bevölkerung hinwegzuraffen droht. Doch die Realität sieht anders aus:
Tatsächlich infizieren sich sieben von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens mit Warzenviren. Doch die Infektion verläuft ohne Beschwerden und heilt bei 90 Prozent der Frauen von allein … aus. Nur ausnahmsweise droht sie chronisch zu werden. Dann können Zellen entarten und Krebs entstehen. Das aber wird in den allermeisten Fällen mit Hilfe des Pap-Tests beim Gynäkologen rechtzeitig erkannt … dass dennoch 1.700 Frauen im Jahr in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs sterben, liegt daran, dass nur jede zweite zur Früherkennung geht. (ebenda)
Was soll’s, kann man fragen. Wenn es die Kasse bezahlt? Impfstoffe haben jedoch nicht nur ihren Marktpreis. Sie sind auch nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Im Artikel der Süddeutschen Zeitung werden dazu unterschiedliche Fachleute zitiert.
Money, money, money …
Demnach schützt Gardasil nur vor einigen, keineswegs vor allen Viren. Eine Früherkennung bleibt daher weiterhin unverzichtbar. Eine Impfung könnte aber den jungen Frauen die illusorische Annahme eines umfassenden Schutzes suggerieren und sie veranlassen, weniger regelmäßig zum Gynäkologen zu gehen. Außerdem könnte die Impfung eine Besiedlung mit anderen gefährlichen Viren fördern. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich die Einführung des Impfmittels selbst als fragwürdig:
- Die Stiko ist nach Ansicht von Fachleuten von der Pharmaindustrie unterwandert.
- Heinz-Josef Schmitt, zum Zeitpunkt der Gardasil-Einführung Vorsitzender von Stiko ließ sich vier Monate vor der Markteinführung einen vom Gardasil-Hersteller gesponserten Förderpreis von 10.000 Euro verleihen. Das sei ehrenrührig, heißt es.
- Ex-Stiko-Chef Schmitt ist aber nicht (mehr) anfechtbar. Ist er doch inzwischen in der Impfsparte des Schweizer Pharmariesen Novartis beschäftigt…
Was sollen Eltern von Schülerinnen und junge Frauen tun?
Beim Impfen gibt es zwei extreme Ansichten. Die einen lehnen Impfungen generell ab. Das geht zu Lasten der Kinder, die dadurch teilweise langwierigen, schweren und nicht ungefährlichen Kinderkrankheiten ausgesetzt werden. Das Gegenteil ist, sich und seinen Kindern alles undifferenziert verpassen zu lassen, was die Pharma-Werbung als heilsam und gut anpreist. Auch das kann Gefahren und Leiden zur Folge haben. Oft von sehr subtiler Art, wie zum Beispiel Allergien und Hautkrankheiten.
Auch beim Impfen ist der goldene Mittelweg wohl die richtige Wahl. Um entscheiden zu können, was angeraten und was eher verzichtbar ist, muss man sich aktiv informieren. Im Zweifel reicht dazu das Lesen der seriösen Tagespresse.
In Sachen Gebärmutterhalskrebs bleibt regelmäßige Vorsorgeuntersuchung - insbesondere mit dem Pap-Test - unangefochten kostengünstiger und gefahrloser Punktsieger. Bis auf weiteres, wie es scheint.
Linksunten
Süddeutsche Zeitung: Christina Berndt - VOREILIGE VORSORGE
Gebärmutterhalskrebs - So geht Früherkennung (mit Pap-Test)
Fachartikel: Impfen gegen Krebs
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| Zuletzt aktualisiert: 30.01.2008, 23:04 Uhr
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