Apr 27 2007

Klassenrichter: Wie einzelne Eltern das Klima in der Klasse vergiften

Von Andreas Bubrowski

Symbolbild Foto: Pixelio.de

Wenn sich durch Nachfolgendes das eine oder andere Elternteil eines Oberurffer Schülers zitiert fühlen sollte, und etwa den Datenschutz oder Schlimmeres verletzt sieht - SORRY, es stammt nicht von einem Oberurffer Lehrer. Es stand in der Süddeutschen Zeitung (19. April 2007).

Unser Junge hat eine Fünf in Mathe. In der Klassenarbeit, ja sogar im Zeugnis. Was tun die besorgten, entrüsteten Eltern? Sie nehmen sich den Mathematiklehrer vor. ER muss etwas falsch gemacht haben. Die Rotstiftmarginalien werden minuziös durchforstet, nach Versehen und unberechtigten Härten, nach Widersprüchen und Inkonsequenzen. Ob die Note nicht nachträglich aufzubessern ist? Es kann doch, finden die Eltern, einfach nicht wahr sein - bei der netten Frau Schmidt lag der Junge doch immer zwischen drei und vier … Auf die Idee, dass der Sohnemann, wenn er schon eine Fünf hat, dumm oder faul oder möglicherweise gar beides sein könnte … kommen die Eltern nicht … die Chancen auf Erfolg im Leben verbaut … die Schule dem Schüler, nicht etwa der Schüler sich selbst1.

Johan Schloemann, der Autor, muss Lehrer sein, scheint es. Wie sonst kann er so realitätsnah die Reaktion frustrierter Eltern beschreiben, die sich durch die Lernergebnisse ihres Kindes persönlich beleidigt fühlen und aufgebracht auf die EXTERNE Schuldsuche gehen. Zum Glück ist es in Oberurff die Ausnahme, dass sich Eltern …

… wegen ihres eigenen Bildungsabschlusses einbilden, einen möglichst guten Schulerfolg ihres Nachwuchses notfalls mit dem Rechtsanwalt erzwingen zu können … (*)

Doch es muss nicht gleich ein Rechtsstreit sein, um das Klassenklima zu vergiften. Wenn zum Beispiel ein Elternteil frei bekennt, dass es unter allen Umständen (!) erreichen will, dass der Sohn Mathematik mit Vier absolviert, dann flugs jeden kritischen Hinweis des Lehrers zur Lernhaltung des Schülers als ehrverletzende Herabwürdigung umdeutet, die an höherer Stelle zu reklamieren sei, dann muss der betroffene Lehrer schon recht widerstandsfähig sein, um ungenügende Leistung auch mit ungenügend zu bewerten.

Gerade weil es in Oberurff Norm ist, dass zwischen Eltern und Lehrern eine Atmosphäre vertrauensvoller Zusammenarbeit herrscht, fällt es besonders auf, wenn einmal etwa ein gruppendynamischer Prozess jäh gestört wird, weil ein Elternteil aus Unkenntnis oder aus prinzipiellem Argwohn die Teilnahme des Kindes verweigert oder im Befehlston eine detaillierte schriftliche Rechtfertigung der Maßnahme verlangt.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Kritik und Anregungen durch die Eltern sind unverzichtbar für den pädagogischen Erfolg der Schule. Immer willkommen sind auch interessierte Eltern, die sich gelegentlich für den methodisch/ didaktischen Hintergrund einer Maßnahme interessieren. Und sicher machen auch Lehrer Fehler oder irren sich.

Aber die Kombination aus Ignoranz und wachsendem Beschwerdewesen auf Seiten der Eltern ist bestimmt nicht geeignet, (die) Lage in irgendeiner Weise besser zu machen2.

  1. mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content)
  2. ebenda

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Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken | Zuletzt aktualisiert: 30.11.2008, 10:41 Uhr


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