Okt 16 2005
Online-Redaktion
„Et cetera blabla“:
Théâtre Anima in der Christophorusschule
Von Marise Moniac
Auf die Sprache darf man sich nicht verlassen. Die Leute reden aneinander vorbei, und ihre Gespräche haben keinen Sinn. Diese Aussagen gehören zum Grundprinzip des französischen Dramatikers Eugène Ionesco, des Hauptvertreters des Absurden Theaters.


Muriel Camus mit
ihren Puppen aus Lindenholz
Was sich dahinter verbirgt, vermittelte Muriel Camus vom „Théâtre Anima“ aus Berlin, die auf ihrer Hessentournee auch in der Christophorusschule Halt machte. In einer „One-Woman-Vorstellung“, allerdings mit Unterstützung kunstvoll geschnitzter Holzpuppen, spielte sie Szenen aus dem Ionesco-Stück „Etudes“.
Hierbei handelte es sich ursprünglich um eine Auftragsarbeit zur Vermittlung französischer Konversationkenntnisse an amerikanische Studenten. „Nicht Wörter sind wichtig“, sagte Muriel Camus, „sondern die Intentionen und Emotionen, die dahinter stehen.“
Schöne Worte würden häufig von grausamer Gewalt begleitet, das könne man zum Beispiel bei Politikern der extremen Rechten beobachten. Eine ihrer Puppen heißt Jean-Marie, und Camus macht kein Hehl daraus, dass sie damit Le Pen, den Chef der französischen faschistoiden Rechten, meint.
Die Puppen fungieren in kleinen Rollenspielen, die scheinbar sinnlos sind, am Ende jedoch stets ins Groteske münden. Eine Unterhaltung, die nur aus „et cetera blabla“ besteht, das allerdings in verschiedenen Lautstärken, bis der eine Gesprächspartner zusammenbricht, bringt die Zuschauer ins Grübeln. Dass sich Menschen sehr weh tun können, ohne jemals unhöflich zu werden, ist eine Erfahrung, die auch Schüler schon gemacht haben.
Camus spielte ihre Szenen zweisprachig, so dass neben dem Inhalt auch das Verständnis der französischen Sprache überprüft werden konnte. Einfache Requisiten wie ein kleiner Eiffelturm, eine Flasche Rotwein oder Tücher in den Nationalfarben Blau-Weiß-Rot schafften schnell eine französische Atmosphäre. Die Schüler der Christophorusschule, die anfangs noch Bedenken hatten, ob sie wohl den Sinn des Ganzen mitbekämen, wurden gleich eines Besseren belehrt: Die französische Sprache sei ganz einfach – man müsse nur den Gesichtsausdruck verändern, und jedes Mal käme ein anderer Nasallaut dabei heraus.
Die Sensibilisierung für sprachliche Zweideutigkeiten ist ganz bestimmt wichtig, auch wenn derlei Belehrungen durchaus nicht immer bierernst vermittelt werden müssen. Wenn bei der Einladung des Schützenvereins steht „Hier können Sie gute Freunde treffen“ ist es jedenfalls nicht verkehrt, sich den doppelten Sinn dieses Satzes vor Augen zu halten.
(Fotos: Marise Moniac, Bildbearbeitung/Redaktion: Wukung)
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