Mai 22 2005
Stilleübung: The Sound of Silence
Von Andreas Bubrowski
Schüler üben Stille
Stundenbeginn. Türen knallen. Geschrei. Nicht so in der 9e. Totale Stille inmitten des Lärms. Alle in der Klasse tun – NICHTS. Doch, sie sitzen still und zählen. Wie es sich für Mathematik gehört. Von eins bis zehn und von zehn bis eins. Aber es ist kein gewöhnliches Zählen, sondern ein Nachfolgen der Atmung:
Einatmen-lassen, aus-atmen-lassen – EINS. Einatmen-lassen, ausatmen-lassen – ZWEI … Bis ZEHN. Dann alles zurück. Einatmen-lassen, ausatmen-lassen – NEUN. Einatmen-lassen, ausatmen-lassen – ACHT … Bis EINS …
Symbol der Stilleübung
Michael (Namen geändert) bekommt auch nach Wochen des Übens manchmal noch plötzlich einen Lachkrampf. Lisa findet das noch immer „strange“, wartet, bis es vorbei ist. Und Dora meint gar, Unruhe und Stress würden viel mehr für Konzentration und Leistungsvermögen sorgen. Doch Janis setzt sich nun immer sofort zu Stundenbeginn aufrecht hin, schließt die Augen, ist hochkonzentriert. Dasselbe bei Anja und Lukas. Alle sind still und auf die eine oder andere Art KONZENTRIERT. Eine Atmosphäre voller Respekt und Achtsamkeit. Fast wie in einer Kirche zu Beginn des Gottesdienstes. Man ist rücksichtsvoll. Wem ein lautes Geräusch passiert, hebt entschuldigend die Hände.
Nach gut zwei Minuten ist es vollbracht. Zehnmal ein- und zehnmal ausatmen. Inzwischen ebbt auch der Lärm draußen ab. JETZT Begrüßung. In der Stille klingt das „Guten Morgen“ kraftvoll und stark. Optimale Power, um Gleichungen höherer Ordnung zu lösen oder quadratische Funktionen zu bestimmen.
Zauberei, das alles? Schräger Psychokram? Keineswegs. In China und Indien kennt man seit Jahrtausenden die wirk- und heilsame Technik, mittels bewusster Atmung zu höchster Konzentration zu gelangen. Der Westen ist ein paar tausend Jahre später auch dort angekommen. Manager lassen sich für viel Geld von Entspannungspädagogen in dieser Technik trainieren. Die moderne Medizintechnik hat wissenschaftlich nachgewiesen: solche Übungen aktivieren besonders die linke Hirnhälfte. Also die rationale, logisch denkende Seite unseres Ichs.

Der „Sound of Silence“ macht den Unterricht spürbar effektiver. Früher dauerte es oft fünf oder mehr Minuten, um eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Heute ist es zumeist nach zwei Minuten der Stille vollbracht. Neulich sollte die Übung ausfallen. Aus Zeitgründen. Als aber der Mathelehrer gerade mit dem Unterricht beginnen wollte, ließen ihn lauter enttäuschte Gesichter einhalten. Maren fragte nur, „Und die Stille-Übung?“ Ok. Stille-Übung. Übrigens: der immer irgendwie hektische Mathematiklehrer macht natürlich mit. Und es schadet ihm wirklich nicht.
(Fotos: Andreas Bubrowski)
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| Zuletzt aktualisiert: 17.10.2007, 12:43 Uhr
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11 Kommentare
11 Kommentare to “Stilleübung: The Sound of Silence”
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Stille-Schalter im Ohr
achso noch etwas…
“fertig” würde ich durch “abschicken” ersetzen… klingt besser….
und “hello world” würd ich gleich gaz rausmachen xD
bis dann
ansichtsache
wir brauche keine verbindung zu anderen… :]
schönen abend noch *schleim*
Die “Eindeutschung” steht definitiv oben auf der Tuning-Liste, äh … tuning-list
. Dennoch sollten auch zweisprachige Beiträge einfließen. Schließlich hat die Schule starke Verbindungen nach F und GB. Also das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Wukung
Mal schauen,vielleicht schau ich mal vorbei,weiß es aber noch nicht.
Aber ich fände es ziehmlich gut,wenn dieses Script hier “eingeduetscht” wird, oder das Script so bleibt und die Texte verenglischt werden
Nunja, ich will hier nicht so viel “rum-spamen” wie es so schön heißt, deshalb an alle noch ein gesegnetes Wochenende
Bis demnächste
Hallo Freak! RSS ist wirklich genial. Aber bitte bedenken: Das CJD-Update ist noch in der Bauphase, steht noch am Anfang. Z. B. die Technik der Trackbacks ist noch gar nicht eingearbeitet. Die Idee mit der message-box oder einem Gästebuch ist gut und steht schon auf der Tuning-Liste. Offenbar bist Du an unserer Schule!? Hast Du nicht Lust, einmal bei der AG vorbeizuschauen? Donnerstag 15.30 h. Meetingpoint: Internetcafe. Gruß Wukung
ok. ich weiß, dass sowas viel arbeit ist, aber was bis jetzt gut ist, die das RSS
das is echt genial…vielleicht würde ich noch eine kleine “message-box” einbauen, wo jeder “besucher” eine kleine nachricht hinterlassen kann-oder ein gästebuch….
mfg und schöne feiertage noch
Hey freak. Thanks for feed-back
. Zu Deinem Hinweis bzgl. Design. Die umfassende Funktionalität von Weblogs ist NUR möglich, weil sie sich standardisierter, vorgefertigter Content Management Systeme (CMS) bedienen. Eine eigene Tool- Entwicklung ist sehr zeit- und kostenintensiv. CMS waren daher bis vor kurzem nur großen Konzernen vorbehalten. Der Preis
dieser kommunikativen Freiheit: man muss das vom CMS vorgegebene Design mehr oder weniger akzeptieren. Deinen Anpassungsvorschlägen stimme ich dennoch zu
. Bis zum offiziellen Start des Blogs im Juni werden wir das Design tunen – soweit es möglich ist. Wukung
hehe diese übung….
etwas freaky, aber ich denk mal schlecht ist sie nicht.
schönen tag noch…
[Ps.: macht mal einen Button oben hin. und änder das "c" von Calender in ein "K" um.
Auch finde ich es nicht sehr schön,dass sie ein Script verwenden... Weil eine selbstgemachte Seite ist doch gleich was [noch] schöneres als eine “fertige”?,oder?…
nunja, trotzallem gruß an alle
Hallo Melanie!
Danke für das Feedback. Die FR bringt in der WE-Ausgabe (FR-Karriere-Beilage) gerade eine Serie der Consulting-Firma MainCoach (http://www.maincoach.de) zum Thema “QuickRelax”. Vor einigen Wochen gab es den in Update erwähnten Beitrag, “Die Zehn-Finger-Übung”. Die Trainerin, Stefanie Bätz, macht bis Anfang Juni Urlaub. Wenn sie zurück ist, werden wir mehr Infos dazu beschaffen.
Ansonsten ist die Technik uralt. In China hatten die Taoisten und Buddhisten sie bereits zu einer Reife geführt, als in EU noch “Asterix”-Verhältnisse herrschten
. Auch die Brahmanen in Indien kultivieren diese Technik seit alters her. Im westlichen Kulturkreis waren vor allem die Mystiker damit vertraut. Da aber religiöser Praxis NEBEN dem Kirchen-Mainstream immer der Geruch der Ketzerei anhaftete, war die öffentliche “Predigt” solcher Wege nicht ganz ungefährlich. Gutes Beispiel: Meister Eckehart. Seine “Deutschen Predigten und Traktate” belegen, dass er vergleichbare Erfahrungen sammeln konnte. Und prompt wurde er dafür angefeindet und aus dem Predigt-Verkehr gezogen. Angeblich hat ihn nur sein hohes Alter vor dem Scheiterhaufen gerettet.
Das Standardwerk zum Thema ist unangefochten ein Manual aus dem alten China. In der aktuellen Übersetzung aus dem Chinesischen ins Englische von Thomas Cleary ist es als TB mit dem Titel “The Secret of the Golden Flower – The Classic Chinese Book of Life” im Buchhandel verfügbar. Von der deutschen Version, “Das Geheimnis der Goldenen Blüte”, ist abzuraten. Die Übersetzung von Richard Wilhelm ist nachgewiesenermaßen teilweise falsch und damit irreführend. Der Kommentar von C.G. Jung gibt sich sehr gelehrt, reflektiert tatsächlich aber klischeehaft persönliche Vorurteile des Verfassers.
Sicherheitshalber sei noch angemerkt: Die beschriebene Konzentrationstechnik ist KEINE “religiöse Übung”. Es ist vielmehr umgekehrt. Sie ist u. a. FÜR jede Form religiöser Praxis aufgrund ihrer Effektivität bestens geeignet. Gruß Wukung
Die Stille-Übung zu Beginn der Stunde – eine gute Idee, die ich morgen in meiner 7 HS ausprobieren werde. Gibt es ein Buch mit weiteren Ideen?
Gruß und Dank
Melanie